Hilfsnavigation

Start
Schrift vergrößern
Artikel anhören
Leichte Sprache

Es ist halt a Kreiz

Kolumne Heimatspitze


von Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler

Es ist halt a Kreiz! Dass auch Literaturnobelpreisträger ihre Sprache nicht immer im Griff haben, weiß man nicht erst seit den unflätigen Ausfällen von Peter Handke, der seinen Gegnern gelegentlich, aber unmissverständlich „kollektiven Selbstmord“ oder ähnliche Freundlichkeiten empfiehlt. Weitaus harmloser sind da die Vergehen des honorigen Thomas Mann, der sich aber doch auch eine peinliche Übergriffigkeit erlaubte, nämlich die auf die bairische Sprache. Dass er in seinen „Buddenbrooks“ (1901 erschienen) sein einziges oberbayerisches Personal, nämlich den Hopfenhändler Alois Permaneder, mit allen Attributen des literarischen Oberbayern-Klischees ausstattete: „In der einen seiner kurzen, weißen und fetten Hände hielt der Herr seinen Stock, in der anderen ein grünes Tirolerhütchen mit einem Gemsbart!“, mag ja noch hingehen. Wie er aber diesen Herrn sprechen lässt, zeugt doch von einer gewissen Beratungsresistenz des Autors, der zwar das Lübecker Platt hervorragend und wortgewaltig beherrschte – aber halt nicht das Bairische. „München is koane Geschäftsstadt. Da will ein jeder sei Ruah!“, lässt er den Permaneder räsonieren. „I donk scheen, i nehm schon noch a Glaserl.“ Und wieder kommt der – natürlich – rotgesichtige und mit einem „Seehundsbart“ ausgestattete Hopfenhändler auf München zu sprechen: „Er sprach den Namen seiner Vaterstadt stets in einer Weise aus, dass man nur erraten konnte, was gemeint war!“ Weiter geht es so: „Mein Kompagnon hatt allweil nach Nürnberg wolln, weil da hams a Börs’ und an Unternehmergeist. Aber i verlass mei München nöt. Dös fei nöt. Es is halt an Kreiz!“. Nun, in Letzterem könnte man dem ansonsten genialen Schöpfer der Buddenbrooks durchaus Recht geben!

Alle Heimatspitzen lesen

Ansprechpartner/in

Stephan Holeczek
Telefon: 08857 / 88-850
Fax: 08857 / 88-859
E-Mail schreiben Visitenkarte (vcf, 1kB)
Angelika König
Telefon: 08857 / 88-851
Fax: 08857 / 88-859
E-Mail schreiben Visitenkarte (vcf, 1kB)

Publikationen

Anfahrt

Anfahrtskizze der Fachberatung Heimatpflege in Benediktbeuern
© Fachberatung Heimatpflege

zur Anfahrtsseite