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Flüchtlingskommissar und Heiliger

Kolumne Heimatspitze


von Dr. Norbert Göttler

Sicher standen Sie auch schon mal an der Ostspitze der Passauer Halbinsel und haben versonnen zugeschaut, wie sich die Gewässer von Donau, Inn und Ilz miteinander vermischen und dann gemächlich Richtung Schwarzes Meer davonmachen. Abgesehen davon, dass die Dreiflüssestadt an dieser Stelle besonders romantisch ist, befinden Sie sich auch kulturgeschichtlich an einem spannenden Fleckchen Erde. Während Sie selbst auf dem letzten Zipfelchen der ehemaligen römischen Provinz Rätien stehen, liegt nördlich von Ihnen das freie Germanien und südlich die Provinz Noricum. Und dieser entlegene Landesteil des Imperium Romanum hat im 5. Jahrhundert eine Persönlichkeit europäischen Ausmaßes hervorgebracht: Severin von Noricum. Grad noch, könnte man sagen, denn kurz darauf war´s zu Ende mit dem einstmals stolzen Imperium. Und da es bei Scheidungen und Geschäftsauflösungen dieser Größenordnung selten ohne Mord und Totschlag abgeht, brauchte man Männer wie Severin, die als Mediatoren, Verhandler, ja, heute würde man sagen als Hohe Flüchtlingskommissare ihre wertvollen Dienste taten. Dabei hatte Severin ursprünglich alles andere im Sinn, als medienwirksam eine europaweite Katastrophe zu managen. Vermutlich von hohem römischen Senatorenadel, ließ er sich als christlicher Mönch ausbilden und ging – offenbar war ihm selbst ein Kloster zu laut und zu belebt – als Einsiedler in die Einsamkeit der Wüste. Aber die Leute können einem ja keine Ruhe lassen, sie zerren den Anachoreten in das chaos- und konfliktreiche Leben der beginnenden Völkerwanderung zurück und bauen auf seine fachkundige Hilfe. Ohne je ein Amt anzunehmen, stellt sich Severin dieser Aufgabe. Ihm ist es zu verdanken, dass der Machtübergang von römischer zu germanischer Bevölkerung im Donauraum einigermaßen friedlich ablief und die Flüchtlingsströme über die Alpen menschenwürdig organisiert wurden. Kommen einem da nicht Parallelen zu heute? Hat denn keiner der heutigen Migrationsbeauftragen Ambitionen auf die Ehre der Altäre? Freilich hat man Severin später noch mancherlei Wunder angedichtet, Heilungen, Prophezeiungen, Ölvermehrungen und so weiter. Alles, was halt so Dienstpflicht ist von einem anständigen Heiligen. Aber das Entscheidende war doch seine politische und humanitäre Weitsicht, an der es den heutigen Verantwortlichen nicht selten mangelt. Ganz abgesehen davon, dass Severin wenig Spesengeld in Anspruch nahm, da er in einem verfallenen römischen Wachturm hauste. Vielleicht sollte man am 8. Januar, an dem der Heilige 482 im italienischen Favianis gestorben ist, eine Wallfahrt zur Humanisierung der Flüchtlingswege einrichten! Wir müssten dazu nicht nach Italien reisen, auch in Passaus Innstadt gibt’s eine Severinskirche – eine sehr schöne noch dazu!

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