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Vom Dunkel zum Licht

Kolumne Heimatspitze


von Dr. Norbert Göttler.

Wenn zur Zeit wieder mal erbittert über den Sinn und Unsinn von Winter- und Sommerzeit gestritten wird, dann sollten wir das nicht als Kleinigkeit abtun, sondern uns daran erinnern , dass auch in unseren Breiten vor der - kulturgeschichtlich kurzen - Zeit des Christentums zehntausende Jahre lang schamanistisch-pantheistische Glaubensvorstellungen herrschten, in denen der Kontrast von Dunkel und Licht, Schrecken und Heil eine große Rolle spielte. Glauben wir ja nicht, dass das tempi passati sind, dieser Hell-Dunkel-Dualismus hat sich später durchaus mit der neuen, christlichen Lehre eng vermengt und uns bis heute geprägt. Am deutlichsten wird dies in der dunklen, von Ängsten und Phantasien durchsetzten Jahreszeit des beginnenden Winters.
Schon die Lichtgestalt des Sankt Nikolaus kommt nicht ohne einen archaischen Begleiter aus: Krampus, der Angst und Schrecken verbreitende, zerlumpte Knecht des Heiligen. Er ist nichts anderes als eine aus der Dämonenwelt gefallene satanische Figur, die wir auch in der Welt der Perchten und Druden wieder erkennen. In manchen alemannischen Gemeinden heißt der Krampus sogar „Kinderfresser“! In anderen Gegenden Deutschlands nimmt der Kampus auch weibliche, hexenartige Züge an und wird dann „Kloosin“ genannt. Es bleibt der Deutung des Einzelnen überlassen, ob er in diesen Gestalten Personifizierungen der dunklen Seite unsere Seele entdeckt. Auf jeden Fall kann vielleicht die Tiefenpsychologie mehr zur Interpretation beitragen als die Hochtheologie der Kirchen.
Die beginnende Winterzeit gilt generell als mystische Übergangszeit zwischen den Jahren, als Raum voller Orakel und unheilsvoller Andeutung. Schon Nikolaus und Krampus sind hineingestellt in die „Klopfnächte“ mit ihren uralten „Heische-Bräuchen“, deren Ursprünge weitgehend unerforscht sind. An den drei Donnerstagen vor Weihnachten klopfen etwa Kinder und Jugendliche an die Türen, um Nüsse und Äpfel zu fordern. Luther verbot diesen Brauch, der oft mit verdecktem Bettel und grobem Unfug verbunden war. Auf die „Klopfnächte“ folgten die ebenso geheimnisvollen „Zwölfnächte“ oder „Rauhnächte“. Kam der Begriff vom rauen Klima dieser Tage oder von Räuchern der Stallungen und Wohnungen? Wir wissen es nicht. Auch in diesen Nächten trieben sich verkleidete Perchten, Dämonen und Schellenbuben herum, verschleppten herumliegendes Gerät, erschreckten die Kinder und belästigten nicht selten Frauen und Mädchen. Der Volksglaube sagte, dass in diesen langen Nächten das legendäre „Totenheer“, die „Wilde Jagd“ durch die Lande hetzt und dabei Tod und Unheil verbreitet. Manche glaubten, die Tiere im Stall würden zu reden beginnen, und versuchten, aus deren Orakel-Lauten Schlüsse zu ziehen.
Hinein in dieses dunkle, unheimliche Szenario versuchte man schon in vorchristlicher Zeit tröstende Lichtimpulse zu setzen. Dem Sonnengott „sol invictus“ wurde geopfert, mit Brandritualen und heiligen Feuern begehrte man gegen Dunkelheit und Kälte auf. Diese Traditionen nahm das Christentum auf und setzte sie in Bezug auf das Heilsgeschehen der Geburt Jesu. Schon der Advent ist ja eine Zeit des zunehmenden Lichterkultes, in nordischen Ländern feiert man bis heute das Fest der römischen Märtyrin Lucia mit ausgedehnten Kerzenfesten. Und auch der inneren Leuchtkraft des Glaubens widmete man Gedenktage. So ist es kein Zufall, dass im Heiligenkalender dem kleinasiatischen Bischof Nikolaus zwei weitere starke Leuchttürme folgten, nämlich die beiden Kirchenlehrer und Kirchenväter Ambrosius von Mailand und Johannes von Damaskus. So manchen Leuchtturm könnte man heute wieder brauchen, bei Problemen, die weit über die Einführung oder Abschaffung der Sommerzeit hinausgehen.


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