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Leichte Sprache

Soimerer

Dialektwort der Woche KW 38


Der sonntägliche Kirchgang prägte den bäuerlichen Wochenablauf. Klerikale oder liturgische Begriffe flossen auch in die Alltagssprache und den Dialekt der Menschen mit ein.
Foto: Paul Ernst Rattelmüller
© Fachberatung Heimatpflege

Der sonntägliche Kirchgang prägte den bäuerlichen Wochenablauf. Die "gweichten" (geweihten) Herren, also Pfarrer und "Koprata" (Kooperator, Kaplan) "lasen" die Messe, "wandelten" den Leib des Herrn "auf" , erteilen "Asperges" (Besprengung der Gläubigen mit Weihwasser) und "Wettersegen". Da sie meist selbst ihre Pfarrhöfe bewirtschafteten, gaben sie auch landwirtschaftliche Ratschläge und in Erntezeiten Dispens vom sonntäglichen Arbeitsverbot. Manche klerikale oder liturgischen Begriffe schlichen sich in die Alltagssprache ihrer Schäflein ein. Einen "langsamen Pater "nannte man jemanden, der mit seiner Arbeit so gar nicht vorankam, ein "kyrerndes Weibsbild" eine, die so oft und inbrünstig, das "Kyrie" mitgesungen hat, dass sie sich mit ihrer schrillen Stimme auch im Alltag Gehör verschaffen konne. Ein "Soimerer" war schließlich jemand, der immer wieder die gleichen Redensarten herunterleierte, also den ewig gleichen "Sermon" predigte. (aus: "Irxenschmoiz und Wedahex", Alte bairische Worte, herausgegeben von N. Göttler, Verlag Bayerland, 2014).