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Boazn

Dialektwort KW 30
Boazn Beim Kartenspiel in einem Wirtshaus - vielleicht einer "Boazn" - im Sarntal, Südtirol (Historische Aufnahme von 1956).
Foto: Paul Ernst Rattelmüller
© Fachberatung Heimatpflege

Der Vorgang des „Beizens“ bedeutet im Technologen-Deutsch „Veränderung einer Oberfläche mittels chemischer Beizmittel“. Wer schon einmal nach mehreren Stunden einer altbayerischen „Boazn“ entkommen ist, kann diese Auffassung guten Gewissens teilen. Haut, Haar und Gewand sind durchtränkt und gebeizt von einem infernalischen Brodem aus Tabakqualm (jedenfalls vor dessen öffentlicher Ächtung), Alkohol, billigem Fett, Wurst-, Pommes- und Krautgerüchen! Der Gast ist durch und durch „geboazt“, das heißt, er stinkt wie ein Iltis! Die „Boazn“, eine eher zwielichtige Kneipe, zählt also zur unteren Kategorie in der Hierarchie des Gastgewerbes. Das heißt aber nicht, dass man sich im Dunstkreis eines solchen Etablissements nicht wohl fühlen könnte. Man kann sich geben wie man ist, sich hängen lassen, rumflezen, palavern, kurz – „sich boazen“, als Inbegriff antibürgerlicher Bierdimpflseligkeit. Freilich haben Boazn-Diskussionen eine fatale Neigung, schnell an Heftigkeit und Aggression zuzulegen. Ob dann das mittelhochdeutsche „beizen“ ins Spiel kommt, was so viel wie „beißen machen, zustoßen“ bedeutet und der „Beizjagd“ mittels Greifvögel ihren Namen gegeben hat, ist ungewiss. Möglich ist´s schon, und zum „g´stingerten Iltis“ würd´s allemal passen! (aus: "Irxenschmoiz und Wedahex", Alte bairische Worte, herausgegeben von N. Göttler, Verlag Bayerland, 2014).

Ansprechpartner/in

Dr. Norbert Göttler
Telefon: 08857 / 88-850
Fax: 08857 / 88-859
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